Heike Stuffer im Interview: Hörakustik für Kinder – Was macht eine gute Pädakustikerin aus?

Hörprobleme bei Kindern treten häufiger auf als man denkt. Um diese zu bewältigen, gibt es Hörakustiker, die sich auf die Behandlung von Kindern spezialisiert haben – die Pädakustiker. Um mehr über diesen Beruf zu erfahren, hat unsere Spezialistin für Hörakustik Heike Stuffer einige Fragen zum Thema beantwortet.

Woran erkenne ich, dass mein Kind Probleme beim Hören hat?

Heike Stuffer: Es gibt verschiedene Hinweise darauf, dass mein Kind Probleme beim Hören hat. Die häufigsten sind folgende:

  • Keine Reaktion auf Lärm oder Ansprache
  • Das Kind erschrickt nicht bei unerwarteten, lauten Geräuschen (wie das Zerbrechen eines Glases oder das Zuschlagen einer Tür)
  • Das Kind spricht undeutlich oder im Vergleich zu Altersgenossen sehr schlecht
  • Mit einem halben Jahr hört das Kind auf zu brabbeln, stattdessen schreit es sehr viel
  • Es tut sich in der Schule schwer, dem Unterricht zu folgen

Was sind die wichtigsten Informationen, die Sie Eltern von hörgeschädigten Kindern mit auf den Weg geben?

Heike Stuffer: Man benötigt Zeit, um zu verstehen, was es bedeutet, dass das eigene Kind schwerhörig ist. Und das zu akzeptieren. Nehmen Sie sich diese Zeit für sich — aber lassen Sie sich  nicht viel Zeit bei der Versorgung Ihres Kindes. Jeder Monat zählt. Sammeln Sie Informationen, die Ihnen helfen, mit den praktischen Seiten dieser neuen Situation fertig zu werden.  Sollten Sie Rat und Hilfe benötigen, zögern Sie nicht, Pädakustiker, Ärzte, Lehrer oder Eltern in gleicher Situation zu Rate zu ziehen. Ermutigen Sie Ihr Kind, wenn es bereits sprechen kann, über seine Gefühle zu reden — nicht nur mit Ihnen, sondern auch mit anderen (schwerhörigen) Kindern. Kinder haben meist eine sehr eigene Art, mit dieser Situation zurecht zu kommen. 

Was macht Sie zu einer guten Pädakustikerin? Haben Sie eine besondere Ausbildung gemacht?

Heike Stuffer: Eine Hörminderung bei einem Kind festzustellen und zu behandeln verlangt Erfahrung und Einfühlungsvermögen.  Ich habe mit dem Beruf 1991 begonnen und die Ausbildung 1994 mit der bestandenen Gesellprüfung beendet. Seit 2002 bin ich Hörakustikmeisterin, mit der Zusatzausbildung zur Pädakustikerin seit 2015. Außerdem bin ich selbst Mutter eines elfjährigen Sohnes und weiß deshalb, wie es Eltern geht, die erfahren, dass es dem Kind nicht gut geht.

Die Arbeit als Hörakustikerin ist sicher vielseitig und interessant. Wie kamen Sie dazu, sich gerade auf Kinder zu spezialisieren?

Heike Stuffer: Ich habe schon während meiner Zeit als Gesellin gemerkt, dass die Kinder schnell Vertrauen zu mir gefasst haben. Während sie manchmal bei männlichen Kollegen geweint haben, waren sie bei mir relativ entspannt oder ließen sich von mir schnell beruhigen. Mir ist es wichtig, den Kindern den bestmöglichen Start ins Leben zu ermöglichen, damit sie später als junge Erwachsene die gleichen Chancen im Leben haben wie ein Kind, das sich mit gesunden Ohren entwickelt. 

Was ist der größte Unterschied zwischen der Arbeit mit Kindern und der mit Erwachsenen in Ihrem Beruf?

Heike Stuffer: Jeder Mensch ist in seinen Erwartungen und Ansprüchen anders und bedarf daher einer individuellen Betreuung. Allerdings ist die Zusammenarbeit mit Kindern und deren Eltern etwas „sensibler“. Bevor ich überhaupt bei einem Kind mit der eigentlichen Arbeit beginnen kann, muss erst ein starkes Vertrauen aufgebaut werden, damit das Kind kooperiert.  

Worauf sollten Eltern achten, wenn Sie auf der Suche nach einem geeigneten Hörakustiker für ihr Kind sind?

Heike Stuffer: Für die Arbeit zwischen Eltern, Kind und den Hörakustiker (Pädakustiker) sollte ein gutes Vertrauensverhältnis vorhanden sein. Fühlen sich die Eltern oder die Kinder unwohl, sollte über einen Wechsel zu einem anderen Akustiker nachgedacht werden. Da der/die Pädakustiker/in das Kind über mehrere Jahre hinweg in der Hörentwicklung begleiten will, sollten die Eltern auch bedenken, dass eine zu weite Fahrstecke zwischen Pädakustiker und daheim unnötig stressig für die Familie sein kann. 

Was ist für Sie die schönste Aufgabe bei der Arbeit mit hörgeschädigten Kindern? Gibt es einen besonders schönen Augenblick bei der Betreuung der kleinen Kunden?

Heike Stuffer: Die Neugier, mit der die meisten Kinder an eine Hörgeräteversorgung herangehen, ist schön. Am Anfang sind die Kinder oft schüchtern oder etwas ängstlich, doch nach und nach tauen sie auf und löchern mich mit Fragen, die ich natürlich gerne beantworte.  Bei mir dürfen die Kinder bei den meisten Handgriffen über die Schulter gucken, was sie sehr interessant finden.  Besonders ist es für mich immer, wenn ich nach der Hörgeräteausprobe Rückmeldung über die Erfahrungen bekomme, die das Kind und auch das Umfeld im Laufe der Testphase gemacht haben. Wenn ich höre, dass die Kinder in der Kindergartengruppe aufblühen oder Lehrer in der Schule bemerken, dass ein Kind aufmerksamer geworden ist, freue ich mich sehr. Genau deshalb liebe ich diese Arbeit.  

 

Wir bedanken uns bei Frau Stuffer für die interessanten Antworten! Wenn Sie noch weitere Fragen haben oder mit Ihrem Kind zu einem Beratungstermin kommen möchten, vereinbaren Sie direkt einen Termin bei Ihrem Hörakustiker Breck!